Regelmäßig entstehen bei der Chronifizierung von Schmerzen auch depressive Komponenten. In der Schmerztherapie nennt man das "algogenes Psychosyndrom". Damit beschreiben die Schmerzforscher einen bestimmten geistigen Zustand, der zahlreiche Merkmale einer Depression aufweist. Natürlich fragt sich der chronisch Schmerzkranke, wie denn seine Zukunft aussieht. Nicht selten hört man in der Praxis Sätze wie "Da können die auf den Mond fliegen, aber meine Schmerzen hier auf Erden kann mir niemand nehmen."

Es ist wohl sehr verständlich, daß insbesondere auch der Verlust an sozialer Kompetenz zur Ausprägung solcher depressiver Haltungen führt. Wer kann es nicht verstehen, daß diejenigen traurig verstimmt sind, die ihre Lieblingsbeschäftigungen wie Treffen mit Freunden, Wandern, Spaziergänge, Reisen oder andere zahlreiche Hobbies nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt wahrnehmen können. Die Lebensqualität ist mittlerweile in den medizinischen therapeutischen Bemühungen zu einem zentralen Begriff geworden. Und die Lebensqualität von chronisch Schmerzkranken ist tatsächlich erheblich eingeschränkt.

Man vermutet, daß sich allein in der Bundesrepublik jährlich ca. 3000 Menschen das Leben nehmen, weil sie ihren chronischen Schmerz nicht mehr aushalten können.
Dazu kommt, daß chronischer Schmerz nicht kommuniziert werden kann. Selbst engste Familienangehörige "können das nicht mehr hören". Der Schmerzkranke isoliert sich, zieht sich zurück.
Dies wiederum verstärkt die Depressionen. Depressivität senkt die Schmerzschwelle, verstärkt also das erlebte Leid und so befindet sich der Schmerzpatient in einem Teufelskreis.
Die moderne Schmerzforschung hat diese Mechanismen aufgeklärt. Das Wissen darum macht es dem Therapeuten allerdings nicht immer einfacher. Jahrelang "eingebrannter" Schmerz läßt sich nur schwer beeinflussen. Dennoch sind zahlreiche neue schmerztherapeutische Verfahren in der Lage, auch nach einem sehr langen Leidensweg die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern, wie wir das an vielen Patienten sehen konnten.
Dank einer modernen medikamentösen Therapie zum Beispiel können viele Betroffene ihren Hobbies und familiäre Aufgaben wieder nachgehen.

Leider halten sich gerade gegenüber den sog. Opioiden, hierzu zählt z.B. das Morphium, hartnäckig Ängste und Vorurteile. Es besteht der Eindruck, diese Medikamente würden süchtig machen, sie würden mit der Zeit ihre Wirkung verlieren, so daß eine immer höhere Dosis notwendig würde. Sie wären sehr stark und würden deshalb schlimme Nebenwirkungen hervorrufen. Es wären Medikamente, die nur Krebskranke in ihren letzten Stunden bekommen würden.

Es sind dieses alles Verdächtigungen, die absolut nicht stimmen!

Richtig ist:

Die heute verwendeten modernen Opioide machen nicht süchtig oder abhängig, wie man das bei Drogenabhängigen erleben kann, da diese Arzneimittel nicht den "Kick" bringen, den der Süchtige aber sucht und braucht. Es ist aber auch der Schmerz selbst, der einerseits den Patienten vor der Sucht, andererseits vor der Hauptnebenwirkung, der Beeinträchtigung der Atmung, schützt. Deshalb werden ja auch bei Schmerzzunahme höhere Dosierungen dieser Schmerzmittel toleriert. Die Behauptung, Opioide zählen zu den besser verträglichen Arzneimittel ist durchaus legitim. Zum Beispiel machen sie weniger Probleme als die vielen Schmerzmittel, die ohne Arztrezept in der Apotheke zu erwerben sind.

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Im Mai 2017 eröffnen wir die „Schmerzklinik Berlin“ unter Leitung von:

Chefarzt Dr. med. Michael Schenk.

Für unser interdisziplinäres Team suchen wir noch Unterstützung:
Es sind noch wenige Stellen im Bereich der Pflege frei.

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